Zugfahr-Gedanken (1)

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Kein Roger Willemsen auf der Buchmesse in Frankfurt?! Wie kann das denn sein? Vielleicht weil er kein neues Buch herausgebracht hat? Ist er im Grunde einfach nur eine Money-Bitch? Ist er privat garnicht das, was er uns da so öffentlich zeigt? Die Afghanistan-Doku hat schon einen kleinen Traum zerstört: Der hat ja doch ein Handy und ‘nen dicken IMac auch!!! Von wegen Medienabstinent. Würde gerne mal den Verlauf seines Browsers durchstöbern.
Wenigstens für mich könnte er der Buchmesse einen kleinen Besuch abstatten. Ich fahre ja auch durch die halbe Weltgeschichte für ihn.
Nächste Frage: Was kostet eigentlich so ein Roger? Mal angenommen er sollte meine Dienstagskolumnen sprechen, damit ihr sie euch als Podcast einschmeicheln könnt… Was würde das kosten? Welche Art der Bezahlung wird da angenommen? Könnte ich Roger einfach mal kaufen? Und warum bestehen meine Gedanken beim Zugfahren nur aus Fragen?

Die kleine Dienstagskolumne 59

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Liebe Dienstagsfreunde (und Freunde des wissenschaftlichen Arbeitens!)

Zum Abschluss des Studiums gehört, wie der Name schon sagt, die Erstellung einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit. Das Thema für die Bachelorarbeit (BA) steht schon ewig fest und die ersten Wochen lief es mir bei dem Gedanken an das rein technische Thema, abwechselnd heiß und kalt den Rücken runter. Warum nehme ich in Gottes Namen kein Schwafelthema bei einem netten Schwafeldozenten? Ganz einfach: Ich habe den Anspruch an mich selbst, nach vielen Jahren meine BA in den Händen zu halten und zu denken: “Wie cool ist das Thema denn bitte?” Das Repositorium der Hochschule zu durchstöbern und ellenlange Listen unnützer Themen zu sehen, bei deren durchforsten ich einpenne, um dann ein Glanzstück technischer Sinnhaftigkeit entdecke und mich wundere, dass dort mein Name drunter steht.

Bösen Zungen meinen, die BA sei einfach eine größere Hausarbeit. Anders als eine Hausarbeit ist man hier einfach Herr des eigenen Themas. Das Vertrauen meines Betreuers, dass ich das schaffe, rührt mich sehr. Selbst recherchieren, lesen, verstehen und wiedergeben ist angesagt. Bei soviel Verantwortung spielt die Verdauung gleich richtig verrückt und wie beim Lernen für Klausuren, muss das beengende Gefühl, dass sie im ganz Körper klebrig ausbreitet, einfach weggeschrubbelt werden.

Wir müssen uns nicht mehr des Triebes wegen selbstbefriedigen. Man sollte sich doch die Frage stellen: Mache ich es aus Genuss oder um etwas zu verdrängen?
 

Immer diese weisen Worte vom R. Jaaa, er hat ja recht. Da kann man noch so wund am Schreibtisch sitzen, der Text muss geschrieben werden. Aber die Verdrängung war trotzdem ganz angenehm. Danach die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann. Umgehen sollte man solche Anflüge des Wahnsinns, indem man die eigenen vier Wände verlässt und zum Schreiben einen öffentlichen Ort aufsucht. Mit R. und K. habe ich die letzten Wochen im Gruppenlernbereich der Bibliothek verbracht. War ich einmal die Erste und saß alleine am runden Tisch, wartete ich nur halb konzentriert auf ihn, der seine Masterarbeit schreibt, und sie, die auch an ihrer Bachelorarbeit frickelt. Jedes Mal wenn sie auftauchten, durchfloss mit eine tiefe Dankbarkeit. Die Seiten der Arbeit füllten sich in der ersten Zeit beunruhigend langsam. Der Kopf musste erstmal mit dem neuen Stoff gefüttert werden, damit überhaupt ein gerader Satz auf die Seite kam. Mit der Zeit ging es immer schneller und unerhört viele Raucherpausen konnten eingelegt werden. Rausgehen, rauchen, nachdenken… wieder reing…. draußenbleiben, rauchen, nachdenken…

Ist es Zufall oder doch Schicksal, dass Editors genau zu dieser Zeit das neue Album rausbrachten? Bis zum Ende meiner Tage werde ich das Album “The weight of love” nicht mehr hören können, ohne an die flüchtige Zeit des “wissenschaftlich-seins” erinnert zu werden. Zwei Sätze schreiben, zurücklehnen und Tom Smith’ Stimme erleben… Zum Schreiben wählte ich nur die langsamen Lieder. Für die Päuschen, die sich dadurch auszeichneten, dass ich einfach auf den Bildschirm starrte und doch nichts sah, kamen die Muntermacher zum Zug: “Formaldehyde”… das war’s! Mehr Melancholie geht nicht! Die Abende wurden mit Stephen Kings “Es” verbracht. Der Sommerschmöker überhaupt! Ganz gelb und speckig sind die Seiten, aber auch Stephen bin ich dankbar, dass er mir die Freizeit so versüßte.

Nach dem Mittagessen gab es dann generell einen Kaffee am Kiosk. Thema Nummer eins: Stellenmarkt und Stellensuche. Nach dem Studium ist man ja generell nochmal ganz frei für etwas Neues. Wir werden demütig und auch ängstlich, wenn wir an die zähe Zeit nach der Abschlussarbeit denken. So richtig gefallen wird mir die freie Zeit nicht, da bin ich mir jetzt schon sicher. Stellen suchen, Anschreiben anfertigen, auf Vorstellungsgespräche vorbereiten. Alles etwas schwammig und die Tage werden weniger gut strukturiert sein, als die wohligen Stunden in der Bibliothek.

Am Tag vor der Abgabe lasse ich die Arbeit dann drucken. Nach 40 Minuten halte ich sie in Händen. Geschafft! Aber nein… Es tritt keine Erleichterung ein, irgendetwas stimmt doch nicht. Grübel grübel… Am Abend kommt es mir dann: Ich habe das Abstract vergessen! Wie kann man nur so verpeilt sein?! Das fällt einem doch auf, wenn man sich das fertige .pdf anschaut. Die BA, die eigentlich perfekt sein sollte, wird nun durch ein eingeklebtes Blatt verschandelt. Man kann sich sicher denken wie schlecht ich geschlafen habe. Am Morgen der Abgabe stellten sich dann doch noch weitere Änderungen heraus, die eingebaut werden mussten. Nein nein nein, das kann doch nicht wahr sein! Vorm Durchdrehen hat mich die liebe G. bewahrt, die mich an diesem Morgen mit Beistand, Kaffee und Brötchen versorgte. Der Herr im Copyshop ist voller Mitleid für meine missliche Lage und druckt den ganzen Batzen nochmal. Als ich die Exemplare unterschreibe weiß ich: Jetzt ist es perfekt! Die Abgabe im “Sekretariat der guten Laune” ist absolut unspektakulär. Einzig witzig ist, dass die Entgegennehmerin den gedruckten Titel, mit dem Titel in ihrem System, Buchstabe für Buchstabe vergleicht. Leider kann ich nicht lachen und merke nur, wie sich ein ankommendes Magenschwür (oder Geschwür irgendeiner Art), doch langsam verzieht. Alles wird gut!

Eure miringa83

Eine literarische Sommernacht mit Roger Willemsen am 06.07.2013


Liebe Leserinnen und Leser!

Da meine Freundin G. und ich ständig auf der Homepage von Roger Willemsen nach Terminen in unserer Nähe schauen, ist uns auch dieses Event nicht entgangen. Vielmehr ist es aber G. zu verdanken, dass wir diesen netten Abend erleben durften, da ich durch das Zocken und PC Games MMORE lesen meiner Fan-Pflicht nicht mehr zufriedenstellend nachgekommen bin.

Die 95 km nach Würselen mussten wir etwas unstandesgemäß im Renault Scenic mit defekter Klimaanlage verbringen. Im eigenen Saft sitzend freuen wir uns wie blöd auf den Roger und schänden ihn schon wieder gedanklich. Erotische Ausschweifungen, deren Details nie ein Mensch erfahren wird. In unserer Fantasie dürfen wir alles rauslassen, im wahren Leben aber verhalten wir uns gebührend anständig, damit seinem reinen, intellektuellen Glanz nichts im Wege steht.

Die A4 Richtung Aachen ist in beiden Richtungen gesperrt. Der liebe Gott legt uns viele Steine in den Weg und versucht so vielleicht herauszufinden, wieviel uns der Roger wert ist. Den Umweg über diverse fremde Dörfer und nervige Landstraßen nehmen wir aber gerne in Kauf. Allerdings wäre ein Cabrio nicht schlecht. Meine Güte, endlich arbeiten nach dem Studium, endlich einen coolen Zweisitzer besitzen. Meine Träume sind von Konsumgeilheit gesteuert. Jede normale Frau würde vielleicht anfangen Geld für’s Eigenheim oder das erste Kind zu sparen. Ich sehe mein Glück eher in wehendem Kurzhaar und langen Autobahnfahrten mit prägender Musik.

In Würselen angekommen spielen wir Packesel mit unseren Fleecedecken, Getränken und Knabbereien. Da wir den Weg zur Burg nicht kennen, sprechen wir ein junges Pärchen aus Duisburg an. Er, Typ weltoffener Sunnyboy; Sie, bodenständige Mathematikerin. Am Eingang trennen wir uns dann, da G. und ich  Ambitionen haben nah an unserem Meister zu sitzen.

In der dritten Reihe finden wir noch zwei Plätze am Rand. Zwei reife Damen behüten ihre Reihe wie einen Schatz und sind sichtlich genervt, als wir uns dazu setzen. Die Blonde macht eine kurze, abfällige Bemerkung. Von wegen rosarotes Zuckerwatte-Kulturleben. Hier finden noch echte Feindschaften statt. In ihren roten, bei über 30 Grad, gefütterten Clocks, weiß ich sofort was ihr Problem ist. Die etwa 50-Jährige kann es auf den Tod nicht ausstehen, dass sie und wir im Blick vom Roger sitzen und wir ihr in Sachen Jugend, Aussehen und Anstand haushoch überlegen sind. Wir wechseln den ganzen Abend nicht ein Wort.

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Roger Willemsen “Eine literarische Sommernacht” 2013

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Gute Sicht aus der dritten Reihe.

Als Roger die Bühne betritt, trinken G. und ich einen spritzigen Hugo aus der Dose. Kölsch wäre heute Abend zu plump, Wein zu Mainstream und Wasser zu langweilig. Er trägt einen hellen, beigen Anzug, darunter ein weißes Hemd, bei dem die obersten zwei Knöpfe geöffnet sind. Himmel, ist der riesig. Fast zwei Meter groß, ästhetische Figur und riesige Hände, die uns gedanklich heute schon so einige Male von zart bis grob bearbeitet haben. Der Co-Moderator Martin Stankowski ist dagegen eher der einfache Opi von Nebenan. Er glänzt an diesem Abend eher durch olle Kamellen, wie Blondinen- und Ostfriesenwitze, was ja auch schon wieder liebevoll ist. Im Gegensatz zu Roger hat er eine runden Bauch und sehr sehr dünne Beine. Ob Roger in zehn Jahren auch so aussieht?

Die ausgewählten Texte zum Thema “Die 7 Arten des Lachens”, gelesen von mehreren mehr oder weniger prominenten Schauspielern, gehen runter wie Öl. Da Roger sage und schreibe die ganzen sieben Stunden auf dem Sofa gute fünf Meter von uns entfernt auf der Bühne sitzt, habe ich natürlich das ein oder andere Mal nicht so recht zugehört und habe ihn einfach nur unauffällig angeschaut.

Wann Männer besonders fröhlich und ausgelassen sind und viel lachen, will Roger wissen. Natürlich wenn sie verliebt sind. Und in der Tat kann ich mir auch nichts Schöneres für einen älteren Herren vorstellen, als dass er verliebt ist und nochmal an den Knospen der Jugend nuckeln darf. Schöne Momente werden durch die Gedanken an die Liebste nochmal schöner, traurige Momente durch die Sehnsucht nochmal trauriger. Liebe muss auch weh tun.

Wie im Studium auch, sitzen die seltsamsten Menschen in der ersten Reihe. Die Familienbande mit unbändigem Hunger sind anscheinend jedes Jahr mit dabei, wenn der Roger zur literarischen Sommernacht ruft. Unzählige Fressalien pflastern ihr Erste-Reihe-Revier. Zu Anfang gaben sie Willemsen und Stankowski irgendwas zu essen. Ist wohl ein Running Gag, den ich nicht verstehe. Einmal muss ich mich allerdings fast kringeln vor Lachen. Immer wenn ein Schauspieler liest, sitzen die Moderatoren außerhalb des grellen Scheinwerferlichts und schauen wohlwollend ins Publikum. Erst nach fünf Stunden verstehe ich, dass sie nur dann das Publikum überhaupt sehen. Sind die Scheinwerfer auf ihnen, sehen sie so garnichts. Der füllige Mann der alteingesessen Familie ist schon länger fort, wahrscheinlich holt er was zu essen. Roger spielt mit dem Publikum, indem er die mampfende Familie in der ersten Reihe als Elefantenfamilie bezeichnet. Trampelig und dick, so denke ich. Man könnte es auch anders auslegen… von wegen treu und immer bis zum Ende der Veranstaltung dabei, wie sonst keiner. Etwa fünf Minuten später kommt der Mann wieder mit unzähligen Packungen Eiskonfekt. Er versorgt die Familie und alle mümmeln gemütlich die schmierigen Eisstücke. Plötzlich stürmt der Mann unglaublich tollpatschig, trampelig und unbeholfen auf die Bühne und wirft Stankowski die offene Packung Eiskonfekt entgegen. Mir entfährt nur ein lautes “Oh neeee!” und schon fällt er wieder zurück und landet ganz knapp auf seinen Beinen. Das war jetzt echt peinlich! Ich lache und lache und weine und weine. Willemsen ist fassungslos und sicher nicht weniger peinlich berührt als G. und ich.

Während der Veranstaltung kann man immer wieder aufstehen und etwas rumlaufen. Wir schauen nochmal beim Pärchen vom Anfang vorbei. Sie haben einen etwas entfernten Platz hinter einem Busch und sind ebenso begeistert vom Abend. Zu Anfang sagte er noch, dass er es letztes Jahr so toll fand, dass nur ein guter Schuss Heroin besser sein könnte. Was die bodenständige Mathematikerin von solchen Sprüchen hält kann ich mir nur zu gut vorstellen.

Ab Mitternacht gehen immer mehr Zuschauer nach hause. Viele vergessen im Aufbruch irgendwelche Tupperdosen und Fressalien. Ein Betrunkener Zuschauer ruft während der Moderation immer wieder laute Kommentare zur Bühne. Peinlich! Da sollte sich doch mal jemand drum kümmern. Apropos drum kümmern. Während einer Pause stehen G. und ich am Rand der Tribüne und rauchen. Auf einmal kommt eine dicke Gestalt auf die Bühne und räumt Gläser und Schüsseln weg… G. fragt, was die dicke Frau denn da macht. Wir schauen nochmal genau… Das gibt es doch nicht, das ist doch der Knittermantel-Mann, der angebliche “Manager” von Roger, den wir noch vom Abend in der Kölner Oper kennen. Ohne seinen knittrigen Mantel haben wir ihn kaum erkannt, aber er wirkt so schoßhündig und untertänig, dass er es einfach nur sein kann. Auch an diesem Abend ist sein Outfit nicht weniger fragwürdig. Kurzärmliges Hemd mit Altmänner-Weste, dazu eine weniger trendige 7/8-Outdoor-Hose, die seine Zahnpasta-weißen Beine zeigt. An den unbesockten Füßen trägt er brauen Ledermokkasins. Trantütig trägt er das Geschirr weg und verschwindet dann wieder zwischen den Zuschauern. Dabei sollte er vielmehr den Betrunkenen des Platzes verweisen.

Um 2:40 Uhr kommt dann auch meine Gelegenheit. Von den rund 750 Zuschauern zu Anfang sind jetzt noch circa 80 Personen anwesend. Während der letzte Text vorgetragen wird, schweift Rogers Blick nochmal durchs Publikum. Anstatt wie sonst wegzugucken, schaue ich ihn extra an. Unsere Blicke treffen sich. Er lächelt leicht, ich auch. Ich schaue ihn weiter wie gebannt an und nicke ihm kaum merklich mit dem Kopf zu, er tut es mir gleich. Ach wie schön sind diese Sekunden unserer Zweisamkeit. Ich freue mich wie Bolle und werde ganz unruhig… Die Decke kann ich erstmal ablegen, jetzt ist mir ganz warm.

Um 3:00 Uhr ist die Veranstaltung vorbei. G. und ich versuchen die Lage zu beurteilen, da wir ja schon noch ein Wörtchen mit Roger sprechen wollen. Alles sieht gut aus. Wir gehen auf die Bühne und Roger begrüßt uns mit Handschlag. G. schwärmt wie toll der Abend war… Ich kann nicht glauben wie riesig er vor mir steht und wie nett er von Nahem aussieht. Ich frage ihn, ob er noch bereit ist ein Foto mit mir zu machen. Gerne, aber nur wenn meine Freundin das macht. Klaaaar, wer denn auch sonst. Er stellt sich hinter mich und fasst mich wieder an den Armen. Die Pose kenne ich noch von seiner Lesung in Siegburg. Diesmal beugt er sich allerdings etwas herunter, sodass unsere Köpfe nah beieinander sind. Ich spüre seinen Atem im Nacken und kann selber nicht atmen. Ich grinse debil und merke, dass ich schwitze wie eine Irre. G. zeigt ihm das Foto. “Ja, das sind wir!”, sagt er. Wir sehen beide nicht taufrisch aus und das Blitzlicht lässt mich glänzen. Najaaaa, nicht wirklich vorzeigbar das Foto, aber eine super Erinnerung an einen wundervollen Abend.

Eure miringa83

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Die Erleuchtung des Mr. Big (SATC)

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Big todunglücklich zu Carrie am Telefon:

“Verstehst du Carrie? Sie erreicht mich IMMER… Aber ich erreiche sie NIE!”

Ist Big unglücklich verliebt, so wir aus ihm glatt ein lächerlich-jämmerlicher und zu guter Letzt nicht mehr ernst zu nehmender Business-Krüppel. Aber was könnte auch schlimmer sein? Mit dem Handy in der Hand wartet er Minute um Minute auf einen Anruf seiner neuen, vielbeschäftigten Geliebten. Klingelt es, so ist er wie ein unterwürfiger Hund sofort am Hörer. Vorher wahnsinnig, miemt er jetzt den Gelassenen. Selbstverarsche hoch zehn! Sobald er das Vibrieren des Handys bemerkt ist er absolut glücklich. Dass er davor circa 20 Stunden absolut unglücklich war, den Herzschmerz unterdrücken und sich zwingen musste sie nicht wieder anzurufen, blendet er jetzt aus. Wie albern. Und diese Albernheit wird ihm klar, wenn er versucht sie zu erreichen – und zwar völlig vergebens.

Die kleine Dienstagskolumne 57

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Liebe Dienstagsfreunde (und Freunde der Heimat-Feierlichkeiten!)

Wenn die Clique in der Heimat ruft, setze ich mich auch nach nunmehr sieben Jahren immer noch gerne hinter das Steuer und düse in die wirtschaftlich absolut verkorkste, kleine Stadt an der Vechte. Diese Feier ist, wie die Letzte, eine Hochzeit. Mit Anfang dreißig sind wir jetzt wirklich soweit, dass nach und nach geheiratet wird. Und schon wieder ereignete sich etwas Seltsames als ich mit meiner jetzt im siebten Monat schwangeren Freundin S. auf der Toilette bin:

Wir verkrümeln uns lachend in die Kabinen und denken sehnsüchtig an den letzten Toilettenausflug bei der Hochzeit unserer Freunde E. und A. im letzten Jahr. Gerne würden wir wieder so einen Blödsinn machen, aber dafür trägt S. zu viel Verantwortung in sich. Wir verhalten uns also still. Beim Pinkeln höre ich etwas, das in etwa einer Dampflok gleicht. Schnauf (Einatmen), Schnauf (Ausatmen), Schnauf (Räusper), schluff schluff… Verdammt, es ist also so weit. Wird S. genau jetzt, zwei Monate zu früh ihr Kind bekommen? Und ich als absoluter Honk in der ersten Reihe. Ich versuche das Schnaufen zu lokalisieren. Es bewegt sich den Gang entlang… Das hört sich definitiv nicht gesund an, meine Güte. Sabrina kann es nicht sein, ich höre, wie sie ihre Hose hochzieht. Verdammt, also stirbt da gleich jemand? Ich traue mich nicht mich zu bewegen. Was bin ich nur wieder für ein verdorbener Mensch, dass ich mich nicht sofort vergewissere ob erste Hilfe zu leisten ist. Ich bin wie gelähmt und bereite mich beim Strumpfhose hochziehen innerlich darauf vor einen blutüberströmten Menschen vor mir zu haben, den ich gleich retten muss. Warum muss es genau jetzt sein? Vor 30 Minuten war ich noch nüchtern… Am Ende bin ich der Grund, dass der Mensch stirbt. Das Schnaufen bleibt und S. kommt aus ihrer Kabine. Jede Wette, jetzt wird sie schreien! Nichts… Ich schleiche aus der Kabine und sehe S. grinsen. Eine dicke Frau, circa 65 Jahre alt, Typ: ungebildete Bäuerin, wäscht ihre Hände und sucht die Papiertücher zum Abtrocknen. Achso, sie atmet halt immer so, meine Fresse! Das ist ja krass… Sie hört nicht auf damit, was mich überrascht, da es mir doch als Unart erscheint so zu atmen.

Als sie S. gesehen hat hätte sie sofort damit aufhören können. Es ist doch so als würde man beim Popeln erwischt werden. So cool muss man erstmal sein einfach weiter zu machen. Ich erinnere mich daran, wie ich mal nicht schnell genug die Hand aus der Hose bekommen habe, als meine Mutter sich doch laut stapfend angemeldet hat ins Zimmer zu kommen. Alles Situationen, in denen die Scham einen dazu bringen sollte, diese Unart jetzt für kurze Zeit abzustellen.

Die in Tupfen gekleidete Frau watschelt vom Klo. Unfassbar! Jetzt sind wir es wieder, die sich für sie in Grund und Boden schämen. Tränen lachend können wir uns wieder zu den anderen Gästen setzen.

Eure miringa83

Aufgeschnappt (1)

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Liebe Leserinnen und Leser!

Ganz neu für mich: Horchen statt Gaffen! Es ist garnicht so einfach die Unaufmerksame zu spielen und dabei zu lauschen und den Sinn der gesprochenen Worte zu verstehen. Die Gesichtszüge sind dabei freundlich und auf weit entfernte Punkte gerichtet. Was das Auge sieht darf aber in keinem Fall das Gehörte beeinträchtigen. Sinnesorgan Nr. 1: das Öhrchen!

Das folgende Gespräch fand diese Woche nur einen Meter von mir entfernt statt. Unfassbar, dass ich das mitbekommen habe ohne selbst vor Scham im Wein zu versinken, den ich gerade mit angestrengter Miene ausschenkte.

Herr G., öDienstler aus Leidenschaft, wendet sich mit einem Wasserglas und Fahrradhelm unter dem Arm an den hausbekannten, freundlichen Mitarbeiter, der im Springerdienst arbeitet. Er hat vier Jobs gleichzeitig, was ihn aber augenscheinlich nicht besonders stört. Er macht nicht den Anschein ein unzufriedener Mensch zu sein. Der Smalltalk der verstörenden Art beginnt. “Dass Sie gleich vier Stellen auf einmal besetzen… Ist DAS denn nicht frustrierend?” Wahnsinn, was für ein Einstieg! Ich schaue schnell rüber, ob sein sanft-schmalziger Ton gespielt ist oder ob er das Ernst meint? Also ob er emotional irgendwie verroht ist und seine unfassbar erniedrigende Art garnicht bemerkt. In der Tat: Er schaut absolut dackeläugig und sein Mitleid ist in keinster Weise gespielt. Der Springer antwortet, dass das schon in Ordnung ist. Wie er denn von Stelle zu Stelle kommt, hat er denn da ein Jobticket, wird gefragt. Nein, ein Jobticket bekommt er nicht, das zahlt er schon selbst. Herr G. knickt bei den Worten geradezu ein. Ekelhaft wie er den Mitleidskloß spielt, ich würde ihm am liebsten des Hauses verweisen. Als Hilfskraft habe ich aber weniger als nichts zu sagen. Der Mitarbeiter ist peinlich berührt, er sieht gar nicht das Problem bei der Sache. In Wirklichkeit hat er auch kein Problem, so sieht er zumindest aus. Herr G. widerum versteht auf Grund der Tatsache, einen Menschen vor sich zu haben, der wahrscheinlich nicht verheiratet ist, keinen festen Job (Stichwort: Verbeamtung) und auch noch seine  bitter verdienten Kröten für das Jobticket ausgeben muss, die Welt nicht mehr. Der gütige Mitarbeiter verdient sicher locker 1.500 € netto weniger im Monat als Herr G. und ist trotzdem zufrieden. Herr G. nuckelt das Wasser aus… Er wirkt erschüttert! Dass er hier das arme Würstchen ist, fällt ihm gar nicht auf. Nie im Leben würde er darauf kommen, dass ein Lebensstandard unter dem seinen lebenswert ist. Ich kann mir in keiner Sekunde vorstellen er könne irgendwann in Würde sterben. Die lebensverlängernden Maßnahmen, wie Fahrradhelm und Wasser trinken, lassen mich darauf schließen. Vielmehr wird er auch dann in peinlicher Weise am Leben hängen, da ohne ihn doch augenscheinlich nichts geht.

Amen!

Eure miringa83

OMG! It's so serious!

Spickertricks oder Selbstverarsche?

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Liebe Leserinnen und Leser,

die letzte schriftliche Prüfung meiner Laufbahn als Studentin habe ich im Februar diesen Jahres abgeschlossen. Es ist kaum zu glauben, dass das Gelerne jetzt wirklich ein Ende haben soll. Ich glaube noch nicht ganz dran, da ich dieses befreiende Gefühl auch schon nach der Abschlussprüfung in der Berufsschule hatte. Theoretisch kann ja jetzt auch noch mehr folgen… Master, das Schreiben einer Dissertation und um dem Wahnsinn die Krone aufzusetzen: die Habilitation. Sphären, die einerseits abschrecken, aber auch unerhört sexy erscheinen. Bei Online-Bestellungen gebe ich gerne ein Prof. Dr. als Titel an, einfach um “offiziell” zu sehen wie sich dieser Titel vor dem eigenen Namen macht. Es wirkt ganz nett, aber das war es auch schon. Es reicht mir, dass allein der Postbote denkt ich wäre Akademikerin höchsten Grades.

Seitdem ich Klausuren oder Prüfungen schreibe hat mich immer ein mehr oder weniger guter Spicker begleitet. Es auch nur einmal ohne zu probieren wäre mir niemals eingefallen. Beim Gedanken daran kriege ich Schweißausbrüche. Totaler Blackout und keine Gedächtnisstütze? Warum hat man eigentlich bei jeder Prüfung Angst vor einem Blackout. Ich hatte noch nie einen und kenne auch niemanden, der sowas mal hatte. Na gut, heulende Studierende gab es wirklich nach der Statistik-Klausur im dritten Semester. Hatten die einen Blackout? Oder war das Versagen schon vorprogrammiert, da eh nichts Brauchbares in der Birne war? Jetzt merkt man schon worauf ich hinaus will – es gibt nämlich zwei Arten von spickenden Schülern/Studierenden.

Unart:

Diejenigen lernen garnicht, was sich auch in der Unprofessionalität der Spicker widerspiegelt. Die Papierfetzen (es muss Papier sein, da viel Inhalt untergebracht werden muss) ist übervoll mit ganzen Sätzen beschrieben und das in Schriftgröße fünf. Punktuelles Nachlesen ist somit nicht möglich und die Gefahr erwischt zu werden ist extrem hoch. Überfordert also eine Prüfungsfrage, so muss im Hirn gekramt werden, auf welchem Spicker das Gesuchte zu finden ist. Der Text wurde allerdings nur vom Skript kopiert und auf den Spicker eingefügt. Der Spicker ist also absolut unbrauchbar. Einziger Ausweg: Die Aufgaben schnell angucken und auf dem Klo verschwinden um dort nachzulesen und sich Fetzen von Inhalten zu merken, die dann verwurstet werden können. Das Halbwissen, welches nur an der Oberfläche dümpelt, ist so unbrauchbar wie nichts Gutes. Wie sinnlos all diese Bemühungen waren zeigt die schlechte Note am Ende.

Nachahmenswert:

Runterdampfen ist das Stichwort. Das Skript mit vormals 500 Folien muss im ersten Schritt auf etwa 20 handschriftliche Seiten runtergedampft werden. Die Seiten sind dabei so eng beschrieben wie es nur geht. Die Ameisenschrift bereitet ungeübten Beobachtern einfach nur Kopfschmerzen. Diese 20 Seiten werden von vorne bis hinten auswendig gelernt. Wichtig dabei ist die Aufteilung der Absätze: Themen (runtergedampft auf etwa fünf Hauptthemen) bekommen Stichpunkte, wobei das erste Wort das Aussagekräftigste sein muss. Flache Hierarchien – effizientes Arbeiten. Thema merken, Stichpunkte lernen. Die größte Angst ist nun also, dass einem zum Thema die richtigen Stichpunkte nicht mehr einfallen. Da immer das erste Wort das wichtigste ist, muss man sich generell nur dieses merken um mit es dann mit seinem unermesslich großen, fachlichen Wissen aufplustern kann. Auf den “Spicker” kommen dann nur die ersten Buchstaben der sinntragenden Wörter und das am besten in einer Reihenfolge, die ein Wort ergibt.

Thema XY: E - I - S - E - N - B - R - O -T

Es ist geschafft! Etwa 150 Seiten Skript zu einem Thema in einem Wort. “Eisenbrot”! Bitte nicht vergessen! Ich darf alles vergessen: gute Manieren, Stuhlgang, Professionalität, aber bitte nicht “Eisenbrot”! So viel Wissen in einem Wort, da kriegt man schon mal Panik. Ist dieses Wort weg, ist alles verloren. Fünf Themen, fünf Wörter und die vierstündige Prüfung ist geritzt. Die Hilfsworte, mit denen kein Mensch etwas anfangen kann, kann man sich nun auf einen Stabilo-Stift schreiben, den man sich eh nicht traut während der Klausur auszupacken oder man scheibt sie sich via Nailart auf die Fingernägel. Ängste kommen auf: Der Dozent hat das Skript im schlechtesten Fall vor zehn Jahren geschrieben und hat es den aufmerksamen Studierenden unzählige Male vorgebetet. Natürlich kann er mit “Eisenbrot”, “Kamelhaar” oder “Kongofisch” etwas anfangen. Stichwort Wiedererkennungseffekt. Also schläft man die Nacht vor der Prüfung einfach nicht und betet die Worte vor sich hin. Bildliche Eselsbrücken, freakige Angewohnheiten… Stress pur! Das hält man aus, denn gleich nach der Klausur darf man einfach alles vergessen. Natürlich ist das so nicht vorgesehen, ist aber einfach so.

Wundgerubbelt und absolut leer gönnen wir uns am Ende der Prüfungsphase unseren wohlverdienten Asti. Und wieder denke ich, dass mich ganz allein meine Kopfspicker wieder gerettet haben.

Amen.

Eure miringa83

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Die kleine Dienstagskolumne 56

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Liebe Dienstagsfreunde (und Freunde der überwundenen Feiertage!)

Die Feiertage sind vorbei und nach all den erbärmlichen Ei-Sprüchen zu Ostern und witzigen Facebook-Posts zum ersten April, ist der sonst eher verhasste Alltag wieder unser Freund.

Dank Karfreitag sitzt man gleich vier unfassbar spannende Tage beisammen. Da werden hunderte und zillionen-trillionen Kilometer überwunden um Ostern beisammen zu sitzen. Familie geht in Deutschland nunmal über alles, da können andere, wohl für den Familien-Laien wirklich wichtige Sachen wie Barthärchen auszupfen, Mitesser suchen und Online-Gaming einpacken. Viel mehr fokussiert sich die nette Familie an den Feiertagen auf die vermeintlich wichtigen Dinge des Lebens: Essen und Labern! Drei oder vier üppige Mahlzeiten am Tag, die mit völlig zerschrundenen Abwasch-Fingern gezaubert werden. Zuvor war Frau ja schließlich richtig schön einkaufen und mit dem Kran werden die taufrischen Lebensmittel in den Kühlschrank gepropft. Plopp!

An normalen Tagen wird vielleicht eine Mahlzeit auf den Essenstisch gerotzt, jetzt müssen es locker drei bis vier sein. Wie überlebt man eigentlich den Alltag mit dem sonst so wenigem Essen? Egal – denn nach den Feiertagen kommt so schnell kein Hunger mehr auf! Apropos Essenstisch: An den Feiertagen wird nicht wie sonst krumm am Wohnzimmertischchen vor dem Fernseher gesessen, vielmehr wird der Feiertagscharakter herausgearbeitet, indem man am hübsch gedeckten Essenstisch sitzt.

Während und nach den Mahzeiten dann Labern! Nein, bitte reden/sich austauschen um den gediegenen Familiencharakter herauszuarbeiten (man arbeitet ja sonst an nichts während der Feiertage). Soviel Geschwafel und was wurde wirklich beredet: reizarme Themen. Wie läuft’s bei der Arbeit? Bachelorarbeit?! Stellensuche! Alles schon tausendmal gehört, aber es geht immer noch mehr. Zur Not dann noch Wetteranalysen. Meiner Meinung nach kann man da gleich aufhören zu reden, ich spare mir die Luft zu gerne für richtig schöne Schmök-oder Rauchorgien! Wirklich coole Themen: Dönkes aus vergangenen Zeiten – aber bitte nur die Peinlichen, Gespräche über den Stuhlgang (kann jeder mitreden), über das Buch erzählen, das man gerade liest… Es gibt so viele interessante Möglichkeiten. Und dabei fällt dann auf, dass die unterschiedlichen Generationen nie auf einer Wellenlänge sein können und wirklich befriedigende Gespräche gar nicht zu Stande kommen können. Oder doch? Natürlich!!! Denn: Man muss sich schon ein bisschen anstrengen, sonst passiert dies hier:

Nach dem dritten zusammen verbrachten Feiertag sitzt man nun beim Abendessen. Schweigen im Walde! Es wird nichts mehr gesagt, alles ist ausgeprochen. Stocher stocher, schling schling. Bloß schnell essen, damit das peinliche Schweigen nicht noch den Abend verdirbt, schließlich wartet noch ein letzter Feiertag und der hat nunmal wieder 24 erbarmungslose Stunden, die doch bitte fröhlich verbracht werden sollen.

Coole Menschen stehen über der Sprachlosigkeit und machen sich schöne Gedanken und können im geübten Zustand handlos wichsen und fallen dann befriedigt grinsend auf’s Sofa. Menschen ohne Fantasie wollen in sprachlosen Situationen unbedingt reden und machen sich mit sinnlosen Gebrabbel zum Honk des Tages. “Ja, erzähle es zum tausendsten Male! Du siehst mich vor dir auf Knien deine Worte in mich einsaugen. Ganz fest!” Naja, man sieht schon – Witzige Gedanken können die Feiertage auch retten.

Eure miringa83

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